Prusa Core One L

Prusa Core One L

Von: Christian Sauer Lesedauer: 2 Minuten Veröffentlicht: Freitag, 31. Oktober 2025 Tags: Technik

Nach dem Josef Prusa auf der Formnext im letzten Jahr den Prusa Core One vorstellte, wurde dieses Jahr bereits zum Prusa Day während der Keynote der größere Core One L vorgestellt.

Wie bereits der Name impliziert, handelt es sich um einen CoreXY 3D Drucker, welcher im Vergleich zum Vorjahresmodell das doppelte Druckvolumen bietet mit Maßen von 30 cm x 30 cm x 33 cm.

Eine massive Heizplatte aus Aluminium soll hierbei für eine gleichmäßigere Wärmeverteilung sorgen. Die Unterseite der Heizplatte ist zudem mit Lüftern ausgestattet, um ähnlich wie bei einem Umluftbackofen die Kammer auf ca. 60 Grad Celsius vorzuheizen. Dies kommt vor allem schwierigeren Filamentarten wie ABS oder ASA zu Gute, um ein verziehen der Druckschichten zu mindern. Ansonsten kann der 22 kg schwere Koloss so ziemlich jedes Filament bis 290 Grad Düsentemperatur drucken und auch für die exotischsten Filamente gibt es im Prusa Slicer Presets für einen erfolgreichen Druck.

Leider gibt es für den Core One L aktuell keinen Bausatz, sondern nur den fertigen Drucken zu kaufen, welcher dafür andererseits laut Prusa innerhalb von Fünf Minuten einsatzbereit sei.

Für Behörden, Militär und sonstigen Einrichtungen mit erhöhtem Sicherheitsprofil gibt es den Prusa Core One L auf Nachfrage auch komplett offline ohne Wifimodule, was ohne Marketinggetrommel auch schon der MK3 und abwärts nativ anbot.

Ästhetisch bleibt nicht mehr viel von der RepRap DNA übrig. Beim MK3 waren die meisten Bauteile inklusive der Displayhalterung noch 3D-gedruckt. Ab dem MK4 wurde dann auch die Displayumrahmung nicht mehr wie sonst ikonisch auf der texturierten Druckplatte gedruckt sowie der eigene Nextruder eingeführt.

Wer noch einen MK3 aus frühen Zeiten besitzt, könnte zwar theoretisch bis zum Core One upgraden, aber ob dies wirtschaftlich sinnvoll ist, sei mal dahingestellt. Bereits das Upgrade vom MK3 zum MK4 kostet bereits fast so viel wie ein ganzer kompletter MK4 Bausatz. Und wenn man dann noch das MK4S Upgradekit zum Core One draufrechnet, ist man bereits preislich auf dem Neukaufniveau eines Core One. Lohnender wäre es also den MK3 einfach als funktionierendes Backup in die Ecke zu stellen anstatt ihn auszuschlachten, da sowieso die meisten Komponenten für das MK4 oder Core One Upgrade gar nicht benötigt werden.

Dennoch sind Kunden von Prusa im Gegensatz zu anderen Herstellern frei mit ihren Druckern zu tun was sie wollen. Modding ist tatsächlich streng erwünscht und wird in Printableswettbewerben von Prusa aktiv gefördert.

Es gibt keinen Vendorlock, Appzwang oder eine Zwangscloud. Es kann sämtliches Filament egal von welcher Fremdfirma verwendet werden, solange es den Druckparametern entspricht (maximal 290 Grad Celsius Düsentemperatur sowie bis zu 120 Grad Celsius auf der Heizplatte).

Leider spielte dieses Qualitätsmerkmal bei Kunden von anderen Herstellern wohl keine große Rolle, weshalb beim Core One L vor allem das Preis/Leistungsverhältnis stimmen muss, um weiterhin gegen die Konkurrenz ein Produkt aus der EU anbieten zu können. Bei 1699 Euro ist es schon eine Investition die man sich zweimal überlegen sollte. Nach dem Debüt des MK3 zog damals die Konkurrenz sowohl bei den Features als auch an der Preisschraube mit. Ob dies beim Core One L ebenfalls der Fall sein wird, werden wohl die nächsten Monate zeigen. Hier gilt es abzuwarten.

Für den Preis kann man Prusatypisch zwar das Beste vom Besten erwarten, aber genauso wie bei den Smartphones gibt es neben dem Platzhirsch immer preiswertere Alternativen mit weniger Features.



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